Fronleichnamsreise 2001
 

Strafrechtspflege im Ausland – "Polen"

Veranstalter:

Deutsche Strafverteidiger e.V.

Termin:

13.06. bis 17.06.2001

Ort:

Krakau (Polen)

   
  Nachbetrachtung:
 

Wer nach Krakau reist, reist auch nach Auschwitz. Der erste Tag in Krakau war ein Tag in Auschwitz. Strafverteidiger denken, sie seien qua Beruf mit den Abgründen der menschlichen Seele vertraut. Wir sind es nicht. Wir haben an diesem Fronleichnamstag erfahren, dass unsere Vorstellung die Unendlichkeit des Grauens, zu dem Menschen fähig sind, nicht erreicht hatte. Was von diesem Tag blieb, war Ratlosigkeit und viele Gespräche des Abends in der Altstadt in Krakau.

Wenn man gleich am nächsten Morgen ein Gefängnis (in Krakau) besichtigt, geschieht dies mit anderen Augen. Die Bilder des Vortages überlagern die Betrachtung. Der sehr routinierte Gefängnisdirektor und seine Mitarbeiter hatten ihre Mühe mit uns. Eine neue Krankenstation, die offenen Gruppenzellen, die ähnlichen Probleme, haben uns in den Alltag zurückgeholt.

Mittags hatte Dr. Fryderyk Zoll in das Polsko-Niemiecke Centrum Prawa Bankowego (Polnisches Bankenzentrum) geladen. Strafrechtliche Probleme allenthalben auch in Polen. Der Wunsch nach Orientierung und Anschlussan das deutsche Rechtssystem sowie die internationale Industrie- und Bankenwelt sind nicht zu verkennen. Immer auch mit Blick auf Europa wurde lebhaft – im übrigen auf deutsch – diskutiert.

Der Dekan der Rechtsanwaltskammer Krakau, Rechtsanwalt Lech Lawrowski,
und hervorragende Strafverteidiger der Stadt hießen uns im Anschluß in den Räumen der Rechtsanwaltskammer willkommen; selbstverständlich mit Dolmetscher, deutscher Flagge und einem Eintrag in das Gästebuch. Polen war – so wurde uns berichtet – immer ein Land, das sich seine Rechtskultur in der Stille bewahrt hat. Zu Zeiten der Sowjetunion praktizierte man Strafrecht in einer "Nische", unauffällig und ohne Aufhebens. Unser beider Rechtssysteme sind vergleichbar. Manches ist in Polen einfacher. Man ist bescheiden, aber aus Tradition. Nach den Gesprächen war es an uns, Vorurteile zu revidieren. Der Wunsch nach künftigen Informations- und Erfahrungsaustausches wurde mit wechselseitigen literarischen Gaben und der Aufnahme von Namen und Anschriften in unserer Homepage besiegelt. Der gemeinsame Abend mit den polnischen Kollegen im Stadtteil Kazimierz mit jüdischer Musik war der stimmungsvolle Abschluss eines Besuchs in einer bezaubernden Stadt.

R. Michalke

Nachtrag:
Es existiert eine Deutsch-Polnische Juristenvereingung, die zu Beginn des Jahres 2001 in Berlin ihre erste Strafrechtstagung durchgeführt hat. Ansprechpartner ist Rechtsanwalt und Notar Christoph C. Paul, Eisenacher Str. 1, 10777 Berlin, Tel.: 030 - 217 68 69, Fax.: 030 - 214 17 57.

 
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