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Wer nach Krakau reist, reist auch nach Auschwitz. Der
erste Tag in Krakau war ein Tag in Auschwitz. Strafverteidiger
denken, sie seien qua Beruf mit den Abgründen der
menschlichen Seele vertraut. Wir sind es nicht. Wir
haben an diesem Fronleichnamstag erfahren, dass unsere
Vorstellung die Unendlichkeit des Grauens, zu dem Menschen
fähig sind, nicht erreicht hatte. Was von diesem
Tag blieb, war Ratlosigkeit und viele Gespräche
des Abends in der Altstadt in Krakau.
Wenn man gleich am nächsten Morgen ein Gefängnis
(in Krakau) besichtigt, geschieht dies mit anderen Augen.
Die Bilder des Vortages überlagern die Betrachtung.
Der sehr routinierte Gefängnisdirektor und seine
Mitarbeiter hatten ihre Mühe mit uns. Eine neue
Krankenstation, die offenen Gruppenzellen, die ähnlichen
Probleme, haben uns in den Alltag zurückgeholt.
Mittags hatte Dr. Fryderyk Zoll in das Polsko-Niemiecke
Centrum Prawa Bankowego (Polnisches Bankenzentrum) geladen.
Strafrechtliche Probleme allenthalben auch in Polen.
Der Wunsch nach Orientierung und Anschlussan das deutsche
Rechtssystem sowie die internationale Industrie- und
Bankenwelt sind nicht zu verkennen. Immer auch mit Blick
auf Europa wurde lebhaft im übrigen auf
deutsch diskutiert.
Der Dekan der Rechtsanwaltskammer Krakau, Rechtsanwalt
Lech Lawrowski,
und hervorragende Strafverteidiger der Stadt hießen
uns im Anschluß in den Räumen der Rechtsanwaltskammer
willkommen; selbstverständlich mit Dolmetscher,
deutscher Flagge und einem Eintrag in das Gästebuch.
Polen war so wurde uns berichtet immer
ein Land, das sich seine Rechtskultur in der Stille
bewahrt hat. Zu Zeiten der Sowjetunion praktizierte
man Strafrecht in einer "Nische", unauffällig
und ohne Aufhebens. Unser beider Rechtssysteme sind
vergleichbar. Manches ist in Polen einfacher. Man ist
bescheiden, aber aus Tradition. Nach den Gesprächen
war es an uns, Vorurteile zu revidieren. Der Wunsch
nach künftigen Informations- und Erfahrungsaustausches
wurde mit wechselseitigen literarischen Gaben und der
Aufnahme von Namen und Anschriften in unserer Homepage
besiegelt. Der gemeinsame Abend mit den polnischen Kollegen
im Stadtteil Kazimierz mit jüdischer Musik war
der stimmungsvolle Abschluss eines Besuchs in einer
bezaubernden Stadt.
R. Michalke
Nachtrag:
Es existiert eine Deutsch-Polnische Juristenvereingung,
die zu Beginn des Jahres 2001 in Berlin ihre erste Strafrechtstagung
durchgeführt hat. Ansprechpartner ist Rechtsanwalt
und Notar Christoph C. Paul, Eisenacher Str. 1, 10777
Berlin, Tel.: 030 - 217 68 69, Fax.: 030 - 214 17 57.
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